Die Prämisse

Das Wort Prämisse ist als "Hauptaussage" oder "Kern der Geschichte" zu übersetzen. Sie umfasst in einem knappen Satz, wie die Romanfigur und Handlung sich verändert. Man startet in diesem Satz beim Ausgangspunkt, stellt den Konflikt und schließlich die Lösung dar. Aufopfernde Liebe (zum alkoholsüchtigen Vater) führt zu Hass, das wäre eine Prämisse. Aber wozu brauche ich die?
"Sie ist eine Feststellung dessen, was mit den Figuren als Ergebnis der Handlung der Geschichte passiert." James N. Frey in Wie man einen verdammt guten Roman schreibt
Wenn man sich in seiner erfundenen Welt verzettelt und selbst nicht mehr weiß, wo Anfang und Ende sind, woher soll dann der Leser das wissen?
Die Prämisse hilft einem, die Handlung zu entwickeln und zu strukturieren. Sie ist eine Art Kompass, das Hauptargument, das es im Verlauf der Geschichte zu beweisen gilt. Mit Hilfe der Prämisse markiert man den Punkt, zu dem man hin will und jedes Kapitel und jede Szene sollte einen Schritt näher dorthin führen.
Was ist eine Prämisse und was ist keine Prämisse?
Unsere Beispielprämisse
Aufopfernde Liebe (zum alkoholsüchtigen Vater) führt zu Hass.
ist deshalb eine Prämisse, weil sie speziell auf die Handlung dieser einen Geschichte zugeschnitten ist. Würde man
Liebe führt zu Hass.
als Prämisse bezeichnen, so liegt man falsch, denn dieser Satz ist zu allgemein. Das Ziel ist also, eine Prämisse zu erschaffen, die (im Idealfall) die Kernaussage deiner Geschichte genau wiedergibt, an der du dich beim Schreiben orientieren kannst und wenn du dich doch einmal verzetteln solltest, kannst du dir deine Prämisse anschauen und überlegen, ob der aktuelle Handlungsverlauf immer noch zu deiner Prämisse und dem Ziel deiner Geschichte passt.
Die oben genannte Beispielprämisse ist allerdings nicht das Nonplusultra, es gibt verschiedene Arten von Prämissen, je nachdem, wie die Geschichte aufgebaut ist. Hier die drei möglichen Typen (aus Wie man einen verdammt guten Roman schreibt 2 von James N. Frey):
- Die Kettenreaktion
Irgendetwas passiert einer Figur, was einen Stein zum rollen bringt. Es steigert sich zu einem Höhepunkt und wird am Ende aufgelöst.
Ein Beispiel: Aufopfernde Liebe (zum alkoholsüchtigen Vater) führte zu Hass. - Die gegensätzlichen Kräfte
Zwei unterschiedliche Kräfte kämpfen gegeneinander. Einer gewinnt, zum Beispiel: Alkoholismus gewinnt gegen Liebe. Frey drückt das in einer Gleichung aus: x vs. y = z
Ein Beispiel: Liebe zum Bruder und Liebe zum Freund ergeben den Tod. - Die situationsbedingte Prämisse
Die situationsbedingte Prämisse bezieht sich auf eine bestimmte Situation (oh Wunder), wie zum Beispiel die schriftliche Auseinandersetzung mit dem Krieg und dessen Auswirkungen auf den Menschen. Es ist keine "Einzelprämisse", wie wir sie oben kennengelernt haben (also eine Prämisse für den ganzen Text), sondern besteht aus mehreren Prämissen. Diese Prämissen zeigen das Schicksal von einzelnen Personen in der Gesamtsituation.Beispiel
Die Gesamtsituation ist die des Krieges, wie oben schon erwähnt. Man baut jetzt aber keine Kettenreaktion wie Krieg führt zu patriotischen Gefühlen oder gegensätzliche Kräfte wie Aufopfernde Liebe gewinnt gegen den Krieg als Prämisse für den gesamten Text, sondern betrachtet das Schicksal mehrere Personen, die in der Gesamtsituation (Krieg) kämpfen.
Davon können natürlich einige sein
Alex Mustermann: "Krieg führt zu patriotischen Gefühlen." (Kettenreaktion)
Lisa Helfer: "Aufopfernde Liebe gewinnt gegen den Krieg." (Gegensätzliche Kräfte)
Marcus Rebell: "Widerstand führt zum Sieg." (Kettenreaktion)Aber diese ganzen "Einzelprämissen" laufen alle unter der Gesamtsituation, in der sich die Figuren befinden (Krieg).
So viel zur Prämisse an sich. Was an dieser Stelle noch erwähnt werden sollte, ist, dass dieser Artikel nur den Einstieg zum Thema "Prämisse" bietet. Wer sich im Detail für das Thema interessiert, schaue bitte in die Quellenangaben. Dort sind einige interessante Werke zu finden, die sich u.a. mit dem Thema Prämisse beschäftigen.
Quellen:
Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4misse_%28Erz%C3%A4hltheorie%29
James N. Frey – Wie man einen verdammt guten Roman schreibt 1 und 2
Ergänzt durch Moira
Kommentare
Wenn ich mir das so angucke, ist das wie Punkt eins des Schneeflockenprinzips.
Darunter kann ich mir nicht wirklich was vorstellen.
Hast du vielleicht ein Beispiel?
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