Die Schreibblockade

Welcher Autor kennt sie nicht: Die Schreibblockade. Wer saß nicht schon einmal stundenlang vor einem leeren Word Dokument, einem blanken Stück Papier oder den Zeilen seines Notizbuches? Aber woher kommt sie, die Schreibblockade und was kann man gegen sie machen? Meistens will man schreiben, wenn man eine Schreibblockade hat – wieso tut man es dann nicht einfach? Ein Erfahrungsbericht und Lösungsvorschläge, um die Krise zu bewältigen.
Schreibblockaden können sehr unterschiedlich sein. Dem einen fällt überhaupt nichts mehr ein, der andere hängt an einer Szene, der nächste traut sich nicht mehr, zu schreiben ...
Diese Blockaden können kurz oder von langer Dauer sein. Sie können sich auf ein Projekt, eine Perspektive oder auf jedes geschriebene Wort beziehen.
Noch an etwas anderem erkennt man eine Schreibblockade: Vermeidungstaktiken.
Man macht den Computer nicht mehr an und um den Schreibtisch einen großen Bogen. Sollte der Cursor zu nah am Symbol für ein neues Dokument kommen, klickt man schnell etwas anderes an (vorzugsweise Youtube... ) und sollte man das Dokument doch öffnen, starrt es so einen vorwurfsvoll an, bis man es wieder schließt.
Alles, was man davon hat, sind Schuldgefühle, weil man doch eigentlich schreiben will, Wut, weil man nicht schreiben kann und Angst, dass es so weiter geht.
Aber wie kommt so etwas?
Meistens will man schreiben, wenn man eine Schreibblockade hat – wieso tut man es nicht einfach?
Es folgen ein paar Gründe:
Angst, etwas Schlechtes zu schreiben.
Die Geschichte steht, die Protagonisten sind in den Startlöchern, der Plot ausgefeilt bis zum Letzten und – die Erwartung steigt. Kann ich meiner Geschichte überhaupt noch gerecht werden? Sind meine Sätze, meine Sprache nicht viel zu stümperhaft? Könnte das tatsächlich jemandem gefallen, wenn mir selbst dabei ganz anders wird? Nein, die Geschichte hat so einen schlechten Stil nicht verdient!
Und um nichts Schlechtes zu schreiben, schreibt man eben gar nichts – das ist wenigstens nicht schlecht.
Angst vor Erfolg
Was, wenn dem Leser meine Geschichte gefällt? Was, wenn die Geschichte ein Erfolg wird? Das heißt doch, man muss immer wieder dieselbe Leistung erbringen, sonst sind die Leser enttäuscht! Man wird kritisiert und zerrissen, Schreiben wird zur Pflicht, anstatt Spaß zu machen...
Kritik
Kritik verletzt immer, da braucht man sich nichts vorzumachen. Wenn Kritik aber auch noch unsachlich und persönlich ist, ist sie destruktiv. Und destruktive Kritik verfehlt immer den Sinn einer Kritik. Zudem kann sie den Autoren blockieren. Selbstzweifel treten auf, Zweifel an der Geschichte, Zweifel, ob das Schreiben überhaupt etwas für einen ist. Und Angst, wenn man das ganze noch mal schreibt, wieder so schlechte Kritik zu bekommen. Was, wenn man sich nicht verbessern kann? Das Schreiben ganz lassen?
Zeitdruck
Der Abgabetermin steht vor der Tür. Das kann motivieren, aber wie wir das von Hausaufgaben und anderen Zwängen kennen: Man schiebt es auf bis zur letzten Minute. Man weiß, dass man schreiben sollte. Dass man auch schreiben will, denn immerhin steht ja der Termin – aber es ist eben ein Zwang geworden, ist kein Vergnügen mehr. Also lässt man es. Und wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat, es zu lassen, dann ist es auch schwer, wieder damit anzufangen.
Die Geschichte
Man schreibt und schreibt und irgendwann merkt man: Das ist alles Mumpitz! Und tritt es in die Tonne.
Oder man hat das große Logikloch entdeckt, das einem den ganzen schönen Plot einreißt und damit die letzten 100 Seiten ad absurdum führt.
Das Gespür für die Geschichte ist verloren gegangen. Warum noch mal hab ich das eigentlich geschrieben? Wieso bedeutete mir die Geschichte was...?
Was will ich eigentlich erzählen?
Wenn in der Geschichte der Wurm drin ist, bedeutet das vor allem eines: Arbeit. Und Arbeit und leichtes Runterschreiben gehen leider selten Hand in Hand.
Die Protagonistin
Ähnlich wie bei der Geschichte können einem auf die Charaktere einen Strich durch die Rechnung machen – sie spielen nicht mehr mit. Sie erscheinen einem zu platt, zu naiv, zu langweilig oder sind einem schlicht unsympathisch geworden. Nur, was ist eine halbgeschriebene Geschichte ohne Charaktere?
Ideenlosigkeit
Man ist unkreativ. Wo ist bloß meine Muse abgeblieben? Wieso hab ich keine Idee? Ist das nicht alles Murks?
Alles, was einem einfällt, wird nicht zu ende gedacht, weil es sich wahrscheinlich eh um Mist handelt. Man hat keine Geschichte und ohne Geschichte – wie will man da etwas schreiben?
Ausgebrannt
Man hat so viel geschrieben, dass einem einfach nichts mehr einfallen will, Buchstaben kann man nicht mehr sehen, vollständige Sätze schon gar nicht. Geschichten – wäh! Innerlich ist man leer. Und das Papier bleibt auch äußerlich so.
All diese Blockadengründe sind sich im Grunde sehr ähnlich und treten oft auch zusammen auf. Wenn einem die Geschichte nicht mehr gefällt, stinken einem gewiss auch die Charaktere und man hat Angst noch mehr Schlechtes zu fabrizieren. Dann fällt einem auch noch bei der Recherche etwas auf, was die Geschichte komplett über den Haufen wirft und alle Weichen für eine Blockade sind gestellt...
Ein Wundermittel gegen Schreibblockaden gibt es nicht und wenn ich eins hätte, hätte ich mir das schon längst patentieren lassen.
Nichtsdestotrotz gibt es natürlich Tipps, wie man aus einer Blockade wieder rauskommt.
Der naheliegendste ist einfach der: Schreiben.
Es ist egal, wie oder was. Es ist unwichtig, ob das, was man schreibt, gut ist. Es ist Ausschuss. Man kann es danach wegschmeißen, aber man kommt wieder ins Schreiben, bekommt wieder ein Gefühl dafür, wie es ist, zusammenhängende Sätze zu schreiben. Und im besten Fall kommt man wieder in die Geschichte rein.
Mir persönlich hat dieser Rat nie geholfen, weil ich ja als blockierter Schreiberling nie dazu gekommen bin, überhaupt das Worddokument zu öffnen...
Was mir hilft, ist Songtexte aufschreiben. Die, die mir gerade im Kopf herumschwirren. Ich schreibe etwas, bekomme wieder ein Gefühl fürs Schreiben und irgendwann habe ich keine Lust mehr, fremde Worte zu schreiben, sondern will wieder meine eigenen auf dem Papier sehen.
Was auch helfen kann, ist anders kreativ zu sein. Musik machen, z.B. Oder sich künstlerisch austoben. Auf andere Gedanken kommen und so wieder zum Schreiben finden.
Allerdings besteht hier auch die Gefahr, dass das Vermeidungstaktiken werden. Seitdem ich nicht mehr schreibe, hab ich angefangen, Gitarre zu spielen. Es inspiriert, ja, aber trotzdem ist das Ergebnis: Nichts geschrieben, dafür kaputte Fingerkuppen. Dasselbe mit dem Zeichnen. Ein Haufen Papier verschwendet, die Hände sind schwarz, geschrieben kein Wort.
Letztlich ist das ähnlich wie auf Youtube rumzuklicken und in Foren zu lesen. Es kann einem einen Anstoß geben, muss aber nicht.
Ein weiterer Ratschlag, den es gibt: Spazieren gehen. Und zwar irgendwo, wo es absolut nichts Geschriebenes gibt. Ein schreibblockierter Mensch ist vom Gedanken, zu schreiben, besessen. Im Wald kann man nicht schreiben. Und man kann auch nicht lesen oder sich von Videos ablenken lassen. Man ist allein mit seinen Gedanken und es ist still. Und tatsächlich ist das etwas, was mir wirklich hilft, zumindest meine Gedanken zu ordnen. Meine Geschichte noch mal durchzugehen.
Und schließlich noch: Die Geschichte jemandem erzählen. Vielleicht geht es dann besser. Einfach erzählen, was man bisher geschrieben hat, oder was man sich vorstellt und oft kommt man schon beim Erzählen auf Lösungen, auf die man allein in seinem stillen Kämmerlein nie gekommen wäre.
Zum Schluss bleibt mir nur zu sagen: Wenn man schreiben will, wenn schreiben das ist, was man um jeden Preis weiterverfolgen will, dann sollte man sich nicht von einer blöden Blockade daran hindern lassen. Angst vor dem, was man schreibt/schreiben könnte? Ach was ... wofür gibt es denn Überarbeitungen?
Kommentare
Ein Grund für die Schreibblockade geht mir noch ab.
»Alleinsein«
Als Autor ist man beim Schreiben immer allein.
Und kein Feedback zu seiner Arbeit zu bekommen ist schlimmer als die zerreissendste Kritik.
Und wenn es dich einmal wirklich gepackt hat, schreib ruhig dein Notizbuch voll mit dem einen Satz.
»Was Du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen« ist so ein Klassiker
_y_
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