Suspense & Tension

Den Leser fesseln, das wollen wir alle. Aber wir Autoren können schlecht auf Seil und Handschellen zurückgreifen. Aber wir können andere Mittel benutzen. Suspense und Tension zum Beispiel. Die beiden englischen Begriffe werden ins Deutsche mit „Spannung“ übersetzt. Was ist der Unterschied zwischen Suspense und Tension? Warum gibt es diesen Unterschied überhaupt? Eine Einführung in die Begriffe mit Option auf mehr.
Suspense & Tension – oder wie man einen Leser fesselt
Den Leser fesseln, das wollen wir alle. Aber wir Autoren können schlecht auf Seil und Handschellen zurückgreifen. Aber wir können andere Mittel benutzen.
Suspense und Tension. Die beiden englischen Begriffe werden ins Deutsche mit „Spannung“ übersetzt. Das erfasst die Bedeutung der beiden aber nicht wirklich. Aber dazu später mehr.
Bevor wir nun den Leser fesseln, müssen wir eine Voraussetzung erfüllen. Der Leser muss eine emotionale Bindung zu dem Protagonisten aufbauen.
Sol Stein fasst das in folgenden Satz zusammen: „You have to know the people in the car, bevor the car crashes.“
Übersetzt heißt das soviel wie: „Du musst die Menschen im Auto kennen, bevor das Auto verunglückt.“
Das heißt nicht, das man den Protagonisten ausführlich beschreiben muss, der Leser muss aber einen Eindruck von dem Charakter bekommen.
Fangen wir mit einem Beispiel an:
Der Wagen schoss um die Kurve, die Fahrerin ignorierte die rote Ampel. Im selben Augenblick, als der blaue Corsa die Ampel passierte, hörte man das quietschen von strapazierten Bremsen. Ein dunkler Mercedes knallte in die Flanke des Corsas und schob den Wagen über die Kreuzung. Metall kreischte, dann Stille. Aus dem Wrack des Corsas konnte man ein Baby schreien hören.
Hier bekommt der Leser keinen Eindruck über die Charaktere.
Also fügen wir eine kurze Szene an:
Maria befestigte den Babytragekorb auf dem Rücksitz. Dann fing sie an die vollen Einkaufstüten in den Kofferraum zu bugsieren. Nach der Hälfte der Tüten fing das Baby an zu weinen.
„Mammi ist gleich da Schatz. Nicht weinen.“
Eilig packte sie die letzten Tüten in den Kofferraum und knallte die Klappe zu. Das Baby schrie lauter. Die Leute guckten schon.
Marias Handy klingelte. Mit der einen Hand wühlte sie in ihrer Handtasche nach ihrem Handy, mit der anderen versuchte die das Baby zu beruhigen. Ihre Finger schlossen sich um das Handy, sie klappte es auf und klemmte es sich zwischen Ohr und Schulter.
„Maria hier.“
Sie lauschte einen Moment.
„Schatz, ich versteh kein Wort, rede langsamer. Was! Wo ist dein Vater? Ich bin sofort da, rühre dich nicht vom Fleck.“
Maria stopfte das Handy in die Handtasche zurück und schloss die Wagentüren. Ohne sich anzuschnallen startete sie den Motor und fuhr mit quietschenden Reifen vom Parkplatz.“
Jetzt haben wir dem Leser die Möglichkeit gegeben sich ein Bild von Maria zu machen. Und gleichzeitig etwas Druck auf die Protagonistin aufgebaut. Damit haben wir Tension gebildet.
Stein definiert Tension folgendermaßen:
Ein kurzfristiger Spannungsmoment einer Geschichte, die dem Leser den Blutdruck hochtreibt und ihn seine Fingernägel ab kauen lässt.
Wir machen dies, in dem wir uns als Autor total unsozial verhalten und dem Protagonist immer mehr Steine in den Weg werfen, Probleme schaffen und ihn immer mehr unter Druck setzten.
Aber nicht nur das. Wir müssen dabei dem Leser auch genug Informationen über das bevorstehende Unheil, das dem Protagonist droht, geben, sodass der Leser erahnen kann, was auf dem Spiel steht, aber nicht genug Informationen, als dass er das Interesse verliert und nicht weiter liest. So schaffen wir Spannungsmomente.
Eine andere Möglichkeit ist es auf eine andere Plotline der Gesichte zu wechseln, um die Spannung zu erhöhen.
Suspense hingegen hält die Spannung von Anfang bis Ende der Geschichte aufrecht. Ist also der „große“ Spannungsbogen.
Auch hier gilt es, dem Leser genug Informationen zu geben, sodass er erahnen kann, welches Unheil dem Protagonist bevor steht, aber nicht genug das er sich langweilt.
Hier ist es wichtig, gut und sorgfältig zu plotten. Achtet darauf, wie viel ihr dem Leser offenbart. Welche und wann ihr Plotpoints, also Wendepunkte, in der Geschichte einfügt.
Zusammenfassend kann man also folgendes sagen:
- Tension sind kurzfristige Spannungsmomente
- Suspense ist der langfristige Spannungsbogen
- Bei beiden muss man die Balance zwischen dem preisgeben von Informationen und dem zurückhalten von Informationen finden.
- Der Leser muss eine emotionale Beziehung zu dem Protagonist aufbauen, damit er um ihn bangen kann
- Der Job des Autors ist es, dem Protagonist unter Druck zu setzten und ihm möglichst viele Steine in den Weg zu legen.
Kommentare
Hallo Mara!
Es ist in deinem Artikel so einleuchtend beschrieben, das ich Eigentlich nie wieder ein Problem damit haben dürfte.
Punkt drei finde ich am schwierigsten,
wann ist es zuviel und wann zu wenig um den Leser bei laune zu halten. Gerade der lange Spannungsbogen Gestaltet sich schwierig und läuft oft Gefahr vorhersehbar zu werden.Das Problem dabei ist wohl das man nicht weiß wer es einmal lesen wird.
Liebe Grüße Juni
da hast du recht, das ist nicht einfach.
Ich finde immer noch, das die (von mir viel gelobte) Dresden Files Serie ein gutes Beispiel dafür ist, wie man die Balance hält.
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