Warum ich kein Buch schreibe
Hallo,
dies ist meine ''Einführungsgeschichte'', da ich ja erst neu angemeldet bin.
Sie ist schon aus 2008 und wahrscheinlich nicht besonders ausgereift.
Aber ich bin ja hier um zu lernen 
Sie wurde übrigens auf Podcast vertont.. als Hörgeschichte sozusagen.
Vielleicht ist sie also nicht gaaaanz so schlecht.
Gruß
Nina
PS: bin mir gerade nicht sicher, ob das nun hier hinein sollte.... also die wir-lernen-uns-kennen-Geschichte
Ich sitze im Bett und lese vorm Schlafen noch „Harry Potter und der Orden des Phoenix“. Bald kommt der nächste Band und ich habe das dumpfe Gefühl, ich hätte wichtige Kleinigkeiten vergessen. Zu oft habe ich diesen Teil schon gelesen oder als Hörbuch gehört. Meine Augen wandern zu den bordeaux farbigen Streifen an der Schlafzimmerwand. Die hatte ich bei der Renovierung extra schief gemalt, denn ich hätte sie sowie nicht gerade hinbekommen. Etwaige Fehler fallen so gar nicht auf. Kluge Frau baut eben vor. Meine Gedanken schweifen langsam aber sicher ab. Warum schreib ich eigentlich kein Buch und verdiene auf die Schnelle ein paar Millionen? So schwer kann das doch eigentlich gar nicht sein. Ich meine, Harry Potter ist J. K. Rowling schließlich auch auf einer Zugfahrt zugeflogen. Mein Entschluss ist gefasst: Ich schreibe einen Bestseller – kein Problem! Aber das dann morgen, jetzt schlaf ich erst mal.
Der nächste Tag. Endlich Freizeit. Eigentlich könnte ich mich ja jetzt meinem Buch widmen. OK, schnell ein Blatt Papier geholt und Brainstorming gemacht. Worüber schreib ich denn mein Buch? Also ein Roman sollte es schon sein, das steht schon mal fest. Womit sonst könnte man denn Millionen verdienen (nicht das man auch aus anderen Gründen als Geld ein Buch schreiben könnte)? Gut. Meine Finger trommeln ungeduldig auf dem Tisch herum und bringen die Teetasse zum Wackeln. Buch. Geschichte. Fantasy? Ist ja seit „Herr der Ringe“ und „Harry Potter“ groß in Mode. Gibt eine Menge Fantasy-Bücher, sogar ganze Fantasy-Buchläden, in denen man nichts Anderes bekommt. Welches Thema interessiert mich denn eigentlich? Ich nehme an, man muss auch einige Recherchen machen, deshalb sollte ich vielleicht ein Thema nehmen, dass mich auch interessiert. Zauberei finde ich ja schon super.
OK, ich schreibe einen Zauberroman. Aber es darf nicht zu sehr Harry-Potter-mäßig sein. Also schon mal kein Junge. Das Gegenteil. Eine Frau. Eine Studentin. Jaahaaa! Das ist super!! Und was soll meine Studentin machen? Studieren, klar. Vielleicht so was wie Ägyptologie oder Archäologie. Irgendwas mit alten Kulturen und Aberglauben. Aber was studiert man da noch? Ich meine, kein vernünftiger Mensch kann alleine mit Ägyptologie oder Archäologie etwas anfangen, geschweige denn, davon leben. Glaube ich zumindest. Ich glaube weiter… und zwar das es Zeit für meine erste Recherche wird.
Ich schmeiß also meinen PC an. Wenn ich schon auf der Suche bin, kann ich gleich noch nach einem Namen mit mystischer (oder überhaupt irgendeiner) Bedeutung für meine Hauptperson suchen. Schließlich muss ja alles einen Sinn haben und logisch zusammen hängen. Und da ich sowieso immer acht bis zehn Browserfenster offen habe, kann ich auch gleich mal schauen, was die Suchmaschine zum Thema Bücher schreiben ausspuckt.
Zwei Wochen sind inzwischen vergangen. Mit meinem Buch habe ich immer noch nicht angefangen. Mir ist einfach noch nichts eingefallen. Ich hab versucht, mich an die Tipps aus dem Internet zu halten, zum Beispiel folgender:
~ Nimm einen Notizblock und schreibe wichtige Ereignisse auf je einen Zettel und lege sie in eine Zeitschiene.
Wenn einem dann was Neues einfällt, schiebt man den neuen Zettel einfach dazwischen. Ich hab mir die Zettel an die Wand gepinnt. Es standen total sinnvolle Dinge darauf, wie zum Beispiel: der große Kampf, Beginn im Studentenheim, Tankstelle, Mensa. Eigentlich fehlte nur noch die Handlung, dann hätte es losgehen können. Aber die ließ sich hier nicht blicken.
Der nächste Tipp:
~ Schreibe in Gedanken
Am besten könne man Zeit nutzen, in der man immer wiederkehrende Dinge tut, zum Beispiel beim Putzen. Meine lieben Leser (solltet ihr es tatsächlich bis hierher geschafft haben), mein Haus war picobello blitzblank geschrubbt. Ich befürchte, dass mir die Handlung sprichwörtlich durch die Lappen ging, denn ich hatte immer noch keine. Langsam kamen erste Zweifel auf, ob ich tatsächlich für eine Fantasy-Geschichte geschaffen bin. Aber natürlich kommt Aufgeben so schnell auch nicht in Frage. Es gibt ja auch noch mehr Tipps:
~ Schreibe Steckbriefe von deinen Charakteren, auf die du immer wieder zurückgreifen kannst.
Auja!! Den Tipp finde ich super! Ich schreibe also Steckbriefe (ich hab so was schon immer gerne ausgefüllt) über wunderbare und nicht so wunderbare, aber durchaus interessante Persönlichkeiten. Viele Steckbriefe. Unmengen an Steckbriefen. Ich hatte erwähnt, dass ich diese Dinger gerne ausfülle? Gut. Stellt euch also vor: 1,24 Millionen Steckbriefe und immer noch keine Handlung. Hab ich vielleicht zu viel Freizeit?
Ich bin frustriert. Ich sehe nämlich meinen schönen Roman den Bach runter gehen, bevor ich auch nur einen Satz geschrieben habe. Ich dachte eigentlich immer, dass ein Buch fließen muss. Man fängt an zu schreiben und es kommt einfach aus einem heraus. Aus dem Handgelenk geschüttelt quasi. Bei mir fließt nichts. Ich leide wohl an Verstopfung.
Die Monate vergehen und aus mir kommt nichts Gescheites. Zwischendurch habe ich andere Sorgen und denke nicht an meinen Roman, aber so richtig vergessen kann ich ihn auch nicht. Ich habe immer noch kein einziges Wort geschrieben. Oft lese ich, man soll einfach anfangen. Egal womit, auch ruhig irgendwo mitten in der Geschichte. Ich probiere das nicht aus. Ich kann mir nicht vorstellen, wie das funktionieren soll, wenn ich nicht mal weiß, was in meiner Geschichte passieren soll. Tja, und da war sie wieder: Die fehlende Fantasie, bzw. der Zweifel, ob ich tatsächlich einen Fantasy-Roman schreiben sollte.
Mein Mann und ich liegen im Bett und lesen. Ich natürlich Harry Potter, diesmal Band 6. Wieder einmal bereite ich mich auf den neuen Band vor, der nun bald erscheint. Vielleicht sollte ich meinen Mann mal fragen, was er davon hält. Er weiß, dass ich dieses Buch schreiben will, fragt mich zwischendurch immer mal wieder, was denn mein Bestseller macht. Ich könnte schwören, er macht sich über mich lustig.
„Sag mal Schatz, wie denkt man sich eigentlich eine Handlung aus?“
Mein Mann hat immer Antworten parat, egal zu welcher Frage. Er wird mir auch diesmal weiterhelfen können.
„Wie Handlung? Was meinst du?“ irritiert guckt er mich an. Dann scheint es ihm langsam zu dämmern. „Achso, wegen deinem Bestseller meinst du? Also meiner Meinung nach muss es einfach fließen.“
Na toll, als wenn ich das nicht schon wüsste. Langsam aber sicher kriege ich einen Hass auf meine eigene Idee.
„Sieh mal, der Tolkien hat sogar seine eigene Sprache erfunden. Woher bekommt man solche Ideen?“ versuch ich es noch mal. „Fliegt einem das zu? Wie kommt man an was Neues? Weißt du, meine Studentinnen-Idee hab ich ja inzwischen aufgegeben.“
Ich erzähle ihm nicht, dass mich inzwischen der Größenwahn gepackt hat und ich über einen Mehrteiler nachdenke. Über ein Mädchen, dass alleine mit seinem Vater in einem Haus wohnt und die Mutter verschollen ist. Sie soll herausfinden, dass ihre Mutter entführt wurde. Von irgendwelchen bösen Monstern oder Ähnliches. Das Böse braucht die Mutter, um an die Macht zu kommen. Nur warum das Böse sie braucht, weiß ich noch nicht.
Mein Mann scheint Mitleid mit mir zu haben und versucht mich zu trösten:
„Ach Schatz, du hast einfach keine Fantasie für einen Fantasy-Roman. Schreib doch lieber eine Selbstverarsche, da bist du wirklich gut drin!“
Vielen lieben Dank, mein Schatz… und nun wisst ihr, warum ich kein Buch schreibe. Zumindest nicht in nächster Zeit.
E N D E
Kommentare
Du hast gerade einen Spiegel vor mir aufgebaut......Lach
Ja, es ist ein hartes Los eine Autorin zu werden.
Und Mann (besonders Ehemann) ist keine große Hilfe dabei. Mein Mann amüsiert sich auch über mich und meinen Bestseller.......
Bei mir war es eher anders herum....Ich hatte Handlung aber keinen schimmer vom Rest. Von den Löchern in der Handlung rede ich lieber gar nicht.
Ohne deinem Mann nun recht geben zu wollen, aber das hier ist schon mal ein sehr guter Anfang. Kurzgeschichten sind immer eine gute Übung.
Nun zum Eingemachtem:
Schweife nicht von deinem Thema ab und langweile den Leser mit UNWICHTIGEN Details.
Die streifen sind ja schön und gut, haben aber mit dem Buch schreiben so gar nichts zu tun. Streich diese Passage ganz.
Geschichten und auch Romane haben immer ein Thema, also einen roten Faden, andere nennen dies die Prämisse. Ein Beispiel:
In Moby Dick geht es um den Walfang und nicht ums Rosenzüchten.
Also in deiner KG geht es um das problem ein Buch zu schreiben und nicht um streifen an der Wand.
Ich finde deine Kurzgeschichte sehr Humorvoll!
Vielleicht schreibst du ja gerne Parodien, dann bietet dir die Fantasy viele weitere Themen.......Für weitere Kurzgeschichten, die vielleicht immer länger werden.
Liebe Grüße Juni
In solchen Geschichten wird sich wohl jeder auf die ein oder andere Weise wiederfinden. Ich auch. Und wenn es einfach nur der Punkt ist, dass für mich "Harry Potter" der Funke war, der das Schreibfeuer entzündete. Blöd nur, dass ich ein paar wichtige Schritte - die du bedacht hast - auslies und dann nach drei Monaten und 100 Seiten feststellte, dass ich einen weiblichen Harry Potter hatte, die herausfand (an ihrem 12. Geburtstag!), dass sie eine Hexe ist, unter viel Aufwand in ein Haus der Magie gebracht wird, dort auch gleich auf einen Ron (bei mir Henry) trifft und auf eine Hermine (bei mir Hilmar) und im Luftschiff (Nein, kein Zug!) auf Draco trifft (Sarah) und auch Zwillingsschwestern - natürlich die Schwestern von Henry.
Ach ja, zur Zauberwelt gelangen sie durch ein Einkaufzentrum, Rolltreppen runter und - O Wunder, da gab es eine Einkaufstraße.
Einen Zauberstab gab es natürlich auch. Und dreimal darfst du raten .... *lol* ... Richtig! Zwillingskerne!!!!
Aber es gab auch Unterschiede.
Meine Prota hatte noch die Mutter, aber ein Stiefvater, der der Böse war, und der Zauberstab mit dem Zwillingskern gehörte ihrem richtigen Vater.
Auf mich wartete dann eine komplette Überarbeitung des Plots. Ich habe rigoros nacheinander alles gestrichen, was Harry-like war. Geblieben war ein Gerüst, welches ich wieder neu auffüllte. Hat 7 Monate gedauert. Das war 2008.
Letztes Jahr war der Roman (eigentlich) fertig, aber momentan bin ich wieder am Überarbeiten.
Jap.
Eigentlich ist das ja dein Thread. Aber ich musste das einfach schreiben. Ich habe beim Lesen so geschmunzelt.
Ach ja --> da wäre noch mein Nickname.
Willkommen nochmal.
Dein Text gefällt mir. Nur ein paar kleine Rechtschreibfehler habe ich gefunden.
Wie was echt?? Rechtschreibfehler? Wie peinlich.
Das mit den Streifen stimmt schon. Ich glaube, das nehm ich auch heraus.
Ich hab meinen Text mal durch so eine Füllwörter-Maschine gejagt und festgestellt, dass ich viel zu oft ''eigentlich'' benutze. Das muss ich wohl auch noch einmal überarbeiten.
Zauberlehrling: was überarbeitest du denn jetzt noch?
Der finale Schliff. Ich habe beim Pitch schreiben bemerkt, dass ich in einigen Punkten nachbessern muss. Waren nur kleine Korrekturen. Eine fehlt mir noch.
Aber es ist ja eine Trilogie. Genug Platz, um noch das ein oder andere unter zu bringen.
Bin ja schon Forgeschrittener. *hust* Ne, im Ernst, das war nie drinnen. Aber keine Sorge: Ist bisher noch jedem passiert. 
Eigentlich wollte ich es letzten Monat an einige Agenturen schicken. Nun wird es wohl Ende dieses Monats oder vll sogar März. Mal schauen. Es gäbe so viel, wo ich denke - im Nachhinein - was ich noch hätte unterbringen sollen. Aber so ist das wohl immer. Man kann ewig an einer Geschichte rumbasteln.
Übrigens habe ich das "lehr" aus dem Namen gestrichen.
Groß schreiben.
Da muss ein Komma hin.
Und noch zwei Kleinigkeiten, die mir aufgefallen sind.
Das klingt ein wenig merkwürdig. Vielleicht so: "... und deren Mutter verschollen ist."
Da gehört kein Absatz hin.
*lach* Ich hab wie Juni immer erst die Handlung und den Rest ignoriere ich solange, bis ich über alles stolpere XD
Ich mag deine Idee. Hatte auch gleich eine Geschichte dazu im Kopf (die mich aber zu sehr an die Serie "Buffy" erinnerte) *seuftz*
Ich hab drei Mal das "extra" überlesen und hab mich dann total über den nächsten Satz gewundert. Aber die Stelle wolltest du ja eh streichen. Also hab ich gerade nichts zu bekritteln.
Lieben Gruß
Es wird einem ja oft von Lesern unterstellt, sich selbst in Texte einzubringen und IMMER irgendwie autobiographisch zu sein ...
... und an dieser Stelle drängt sich da selbst mir der Verdacht auf! Nicht, weil ich den Inhalt so sehr selbst kenne (nein, es ist NOCH schlimmer bei mir), sondern weil die Erzählstimme einen schon fast Kolumnen-artigen Stil hat. Ich werte den Text also gar nicht mal so sehr als Kurzgeschichte sondern als Selbstreflektion einer Person, von der ich annehme, dass sie nicht fiktiv ist. Sollte sie es doch sein ... dann hast du sie vortrefflich eingefangen. Ein bisschen mehr "Biss" (ohne Vampire, bitte!) könnte sie aber dennoch vertragen. Die Dame könnte noch ein wenig härter mit sich ins Gericht gehen und deftiger ätzen.
Aber das ist nur mein Geschmack, ich mag es eben bööööse!
Danke
Doch, es ist absolut autobiographisch ^^... Leider.
Ich hab tatsächlich Steckbriefe geschrieben, Zeitleisten gehängt.. und bin trotzdem gescheitert
Die Korrekturen werd ich demnächst vornehmen.
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