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Wie lang so ein Weg sein kann...

Bild von Sehnsucht

Hallo Joscha!

Ich habe noch keine Kommentare oder Kritiken gelesen, um mein Bild nicht zu verfälschen. Sieh mir Doppelungen also bitte nach.
Auch für eventuelle Rechtschreib-Flüchtigkeitfehler entschuldige ich mich im Vorraus.
Beim nochmaligen durchlesen merke ich, dass ich ziemlich meckerig war. Bedenke einfach: Alles, was ich nicht kritisiere, finde ich völlig in Ordnung.

Beim Lesen deines Textes hatte ich das Gefühl, dass er auf mindestens 50% gekürzt werden sollte.
Es kam bei mir einfach überhaupt keine Spannung auf. Es hat mich nicht interessiert, ob er sie umbringt oder nicht, und auch dein Protagonist ist fürchterlich blass.
Mein hauptproblem bei der Spannung war, dass er keinerlei Widerstände zu überwinden hat. Natürlich - er ist professionell. Aber es kann doch immer etwas dazwischenkommen, dass es für mich spannend macht, oder?
Am besten sind solche Szenen als richtige Pannenserie, immer, wenn der Protagonist einen Wiederstand mit knapper Not überwunden hat, kommt schon der nächste. -> Spannung
(auf Wunsch kann ich dir ein Beispiel aus meinem Roman geben, wo ich versucht habe, das ganz konsequent durchzuziehen)
Und eine Einleitungsszene wie du sie hier gewählt hast lebt von zwei Dingen:
1. Mein Interesse am Charakter, Empathie/Antipathie
2. Spannung
Ich bitte dich, alles an Infodumping (zeige ich gleich auf), Vorgeschichte und unnützen Beschreibungen wegzulassen.
Was mir positiv aufgefallen ist, ist deine Sprache. Wenn ich mir meine "Werke" aus deinem Alter ansehe... Dann ist das eine echte Spitzenleistung. Trotzdem könnte man hier und da noch Adjektive streichen und etwas mehr showen. Außerdem darf man in spannenden Situationen auch gerne kürzere Sätze schreiben. Nur so als Tipp.

Die Priester des Ajrah behaupteten, es sei böse, zu töten. Andras schnaubte verächtlich. Menschen können doch so naiv sein. Legten ihr Vertrauen in die Ausgeburt von halluzinierenden Geisteskranken. Am Ende starben Priester ebenso wie alle anderen, wenn man ihnen die Kehle durchschnitt – das hatte ihn die Erfahrung zu Genüge gelehrt.

deinen Einstieg finde ich nicht so gelungen. Die Gedanken stehen im luftleeren Raum und sind durch nichts motiviert, außerdem kann ich sie noch keinem zuordnen. Dann die genaue nennung der Priester: Gibt es mehrere in deiner Welt, und die anderen sind nicht gegen das Töten? Ansonsten : *I*-Gefahrr (*I* = Infodump)

inmitten ihrer kleinen Lichtkreise der helle Vollmond der sein silbriges Licht auf die verlassenen Straßen von Aljrano warf.

Das ist sehr kompliziert. Hat mich komplett rausgeworfen. Einfacher: "Das Licht des (klischeehaften) Vollmondes überstrahlte das Licht der Sterne." Wenn du es aber so lassen willst brauchst du mindestens ein Komma mehr.

Um dieser Uhrzeit war niemand mehr auf, eine drückende Stille lastete über der Stadt.

Im ersten Teil des satzes tellst du das, was du im zweiten showst. Smile Ersten Teil einfach streichen.

. Es waren unruhige Zeiten und wenn die Reichen etwas wussten, dann, wie sie sich vor Dieben zu schützen hatten.

Seltsam unpassender EInschub, der die Atmosphäre verdirbt. Wenn du unbedingt sagen willst, dass die zeiten ja so unruhig sind, könnten doch mehr Wachen patrouliern? Oder weniger, falls sie an der Kriegsfront kämpfen müssen? Dann gibst du deinem Prota auch einen Anlass, darüber nachzudenken, wenn er einer Wache über den Weg läuft + Action kommt ins Spiel!

Die hoch in den Himmel ragenden Häuser Aljranos tauchten die Straße in Schatten, ließen die Nacht noch dunkler wirken als sie es eigentlich war.

Einfach streichen, ohne den Sinn zu verändern.

Mit der Routine jahrzehntelanger Erfahrung

*I*!!!!

. Eine Gewohnheit, die er sich im Laufe seiner gut zwanzig Jahre als Attentäter angeeignet hatte. Ein Meuchelmörder, der sein Handwerk verstand, mied das Licht. Denn wo Licht war, lauerten auch die neugierigen Augen unerwünschter Zuschauer. So simpel es erscheinen mochte: Die Essenz eines Mordes war es, Zuschauer zu vermeiden. Sie konnten zu ungeahnten Konsequenzen führen.

Weniger Philosophie, mehr Handlung! Das kann mMn ALLES Weg!

Die Luft war so schwül, dass er selbst selbst in seinem leichten Gewand aus schwarzem Samt schwitzte,

Ein selbst zu viel. Gewänder aus schwarzem Samt sind in meinem Kopfkino automatisch schwer und schweißtreibend. Warum nicht lieber Leinen oder Baumwolle? Ist es eigentlich erwünscht, dass ich mir dein Setting orientalisch angehaucht vorstelle, obwphl die Namen slawisch klingen?

. Er hasste Schweiß, der nicht nur stank, sondern auch noch einen kratzenden Ausschlag auf seiner Haut verursachte. Hier im Süden war es eindeutig zu warm für seinen Geschmack, noch nicht einmal die Nächte boten eine nennenswerte Erfrischung.

Hier ist wieder unser Philosoph. Tut mir leid: langweilig.

Lediglich die Schatten der Bäume, die Blätter wie erstarrt in der völligen Windstille, warfen starre Muster auf das Pflaster am Rand der Straße.

Warum "lediglich"? Das heißt, dass die Häuser keine Schatten werfen!

. Dort, am Hafen im Osten, war die Stadt selbst um diese Nachtzeit noch voller Leben. Durch die Stille des Reichenviertels drangen die derben Rufe der primitiven Matrosen bis hierher, die ihre Heuer bei Schnaps, Spiel und Huren verprassten.

Auch hier wieder für mich *I*. Die grölenden Matrosen, okay. Der Hafen im Osten, nein. Das Verprassen, nein. Wofür soll das gut sein?

Zielstrebig verließ er nun die Hauptstraße, die auf direktem Wege zum Palast des Stadtherrn führte und bog nach rechts in eine schmalere Seitenstraße. Die Häuser hier zeugten noch immer vom Reichtum ihrer Einwohner, allerdings ließen sie den Glanz vermissen, den die Villen entlang der Hauptstraße so unmissverständlich ausstrahlten.

Spätestens hier hatte ich genug von der Wegbeschreibung.

Wer etwas auf ein gepflegtes Leben hielt, ließ sich nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr auf der Straße blicken. Dieses Viertel war für gewöhnlich so ruhig, dass die Stadtwache nur zweistündlich patrouillierte und er hatte darauf geachtet, sie gerade abzupassen.

Der erste Satz ist zuviel Tell für mich. Der zweite zerstört dann endgültig meine Hoffnung, dass es endlich mal spannend wird. Außerdem: In den Reichenvierteln laufen doch die ganze Zeit Wachen herum!

war gekleidet wie jemand, der hierher gehörte.

Tell.

Nach einiger Zeit blieb er stehen.

Ich habe hier das gefühl, dass er insgesamt schon mindestens zwei Stunden spazieren geht. *gähn*

Inmitten eines Gartens, die Luft erfüllt mit einem schwer süßlichen Blumenduft, stand das quadratische Sandsteingebäude.

Zwei Sätze sind besser als ein Relativsatz, der so fies den Staz zerhackstückelt.

Natürlich war die Villa in der Dunkelheit nur undeutlich sichtbar, doch er hatte sich bei Tageslicht schon einmal in die Nähe gewagt und wusste, wie sie aufgebaut war.

Spannend wäre es, wenn ihm das Territorium vollkommen unbekannt wäre. Jede Ecke erneutes Herzklopfen. Stattdessen folgt hier noch eine Normsetie gedanken, die er sich macht, bevor er das Haus betritt. *gähn*.
Wenn ich du wäre, würde ich mir den ganzen Weg zum Haus sparen und nur den Weg durch das Haus mit einigen brenzligen Situationen beschreiben. Denk darüber nach.

Puhhhh... wenn dein Text nur kürzer wäre, dann hielte ich sicher bis zum Ende durch, aber so verlässt mich hier doch etwas die Motivation. Tut mir leid. Hier nur noch das mMn Schlimmsten Stellen aus deinem Text:

Man nannte ihn nicht umsonst den gefürchtetsten Attentäter aus ganz Akator.

Aha, ein Monster-Klischee *flücht*!

Vermutlich befand er sich in einem jener kleinen Eingangsräume ohne Fenster. Eine nutzlose Tradition aus der Zeit, als die Kulonen noch geherrscht hatten.

*I* + Vorgeschichte = genervt

So, nun zur Herzchenvergabe.

Dass es bei dir an Spannung krankt habe ich ja oben schon näher erläutert.
Atmosphäre: Klappt bei mir relativ gut, kleine Patzer und zu lange Reflektion des Prota schwächen sie aber ab.
Dein Charakterkommt bei mir gar nicht an. Weder mag ih ihn, noch mag ich ihn nicht, noch habe ich Angst um seine Opfer. Außerdem kommte mir so ein bisschen wie ein klischeehafter Assasine vor. Das wäre mit Patzern von seiner Seite leicht zu beheben und würde auch die Spannung erhöhen.
Deine Schreibtechnik finde ich grundsolide. Noch ausbaufähig, aber mit deutlicher Tendenz nach oben!

Ich hoffe, ich konnte dir helfen. Für Rückfragen stehe ich immer zur Verfügung.

Liebe Grüße, Sehnsucht.

Bewertung
Gesamteindruck: 
3.01
Spannung: 
1.05
Atmosphäre: 
5.04
Charakterdarstellung: 
0
Schreibtechnik: 
5.04

Kommentare

Hallo Sehnsucht,

danke dir für die Kritik. Das mit dem "meckerig" (falls man es so nennen kann) macht überhaupt nichts. Je mehr mir angekreidet wird, desto beruhigter bin ich, dass ich Aufforderungen aus meinem Bekanntenkreis widerstehe, doch "endlich mal was an einen Verlag zu schicken". ;D

Ich bin momentan schon dabei, die Szene stark zu überarbeiten; ich habe Andras probeweise zu einem Attentäter gemacht, der vom Pech verfolgt wird und durchaus schon ein paar Male im Kerker saß und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass er sich so besser anfühlt. Außerdem wird der Weg drastisch verkürzt, ich bringe nur noch einen kurzen Gegenpol zu seinem Mord hinein, als er einem Gabharen aus der Patsche hilft, der von einem angetrunkenen Priesternovizen bedroht wird. Seine philosophischen Selbstgespräche bemühe ich mich, zu streichen. Wink

Ist es eigentlich erwünscht, dass ich mir dein Setting orientalisch angehaucht vorstelle, obwphl die Namen slawisch klingen?

Südländisch auf jeden Fall. Ich habe mich bei den Namen am Kroatischen orientiert, mittlerweile jedoch in Grundzügen eine eigene Sprache entworfen, an die ich einige weniger wichtige Namen noch anpassen muss.

Viele Grüße
Joscha

Bild von Sehnsucht

Die Idee, es ans kroatische anzulehnen finde ich sehr gut. Das ist mal etwas anderes.
Aus irgendeinem Grund sah die Stadt bei mir aber ziemlich arabisch aus. Ich weiß aber auch nciht wieso. Wenn ich die einzige bin, der es so geht, kannst du das getrost missachten.

An den Verlag schicken? Wenn man als Autor seinen Text ansieht, ist er doch nie druckreif... *seufz*

Die Idee, es ans kroatische anzulehnen finde ich sehr gut. Das ist mal etwas anderes.

Danke Smile

Ich habe mit einem Freund mal über den Ausschnitt gesprochen und er glaubt, herausgefunden zu haben, warum die Stadt orientalisch wirkt: Im zweiten Absatz die Stichwörter "Gewand", "hohe Häuser", "schwarzer Samt" und "hier im Süden".

Bild von Sehnsucht

thumbsup Das wird es sein!

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